Oxymel: Wirkung, Rezept & Anwendung des Sauerhonigs

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Hast du schon einmal von Oxymel gehört? Dieser süß-säuerliche Trunk aus Honig und Essig erlebt gerade ein echtes Comeback. Die Mischung, die schon in der Antike geschätzt wurde, vereint zwei der ältesten Naturprodukte zu einem vielseitigen Getränk, das sich einfach herstellen lässt und in der Volksmedizin eine lange Tradition hat.

In diesem Artikel erfährst du, was Oxymel genau ist, welche Oxymel Wirkung ihm zugeschrieben wird, wie du Oxymel selber machen kannst und welche Oxymel Anwendung im Alltag sinnvoll ist. Außerdem beleuchten wir die wissenschaftliche Perspektive und zeigen dir Oxymel Rezepte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Oxymel (Sauerhonig) ist eine Mischung aus Honig und Essig, oft ergänzt durch Kräuter
  • Der Name stammt aus dem Griechischen: „oxy“ (sauer) und „meli“ (Honig)
  • Traditionell wird Oxymel zur Stärkung des Wohlbefindens und bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt
  • Die Herstellung ist einfach und benötigt nur wenige Zutaten
  • Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit der Kombination fehlen bislang
  • Oxymel ist alkoholfrei und daher auch für Kinder geeignet
  • Die Anwendung erfolgt meist verdünnt in Wasser, kann aber auch pur eingenommen werden

Was ist Oxymel?

Oxymel, auch Sauerhonig genannt, ist ein traditionelles Getränk aus Honig und Essig. Die Basis bildet typischerweise naturtrüber Apfelessig und naturbelassener Honig im Verhältnis von etwa 1:2 oder 1:3 (Essig zu Honig). Häufig werden zusätzlich Kräuter, Gewürze oder Früchte hinzugefügt, um die Eigenschaften zu verstärken oder den Geschmack zu variieren.

Man unterscheidet zwischen:

  • Oxymel simplex: Die einfache Basis aus Honig und Essig
  • Oxymel compositum: Die erweiterte Variante mit Kräutern und Pflanzen

Die Geschichte des Oxymels

Die Wurzeln des Oxymels reichen über 2.000 Jahre zurück. Schon der berühmte griechische Arzt Hippokrates von Kos soll den Sauerhonig zur Behandlung seiner Patienten eingesetzt haben. Insbesondere bei Atemwegserkrankungen, Fieber und zur allgemeinen Stärkung.

Im Mittelalter war Oxymel fester Bestandteil der Klostermedizin und wurde in Apotheken hergestellt. Die Heilkundige Hildegard von Bingen erweiterte die Rezepte um verschiedene Kräuterzusätze. Nach einigen Jahrhunderten der Vergessenheit erlebt der Sauerhonig heute eine Renaissance. Besonders bei Menschen, die auf natürliche und alkoholfreie Hausmittel setzen.


Oxymel Wirkung: Was kann der Sauerhonig?

Dem Oxymel werden traditionell verschiedene positive Eigenschaften zugeschrieben, die sich aus den Einzelwirkungen von Honig, Essig und den zugesetzten Kräutern ergeben.

Honig im Oxymel

Honig ist bekannt für seine antibakterielle und antioxidative Wirkung. Er enthält über 200 verschiedene Inhaltsstoffe, darunter Enzyme, Flavonoide, Mineralstoffe und Spurenelemente. Besonders bei äußerlicher Anwendung zeigt Honig seine Stärken. In der Volksmedizin wird er auch bei Husten, Halsschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt.

Wichtig zu wissen: Honig besteht zu rund 80 Prozent aus Zucker und ist daher keine gesündere Alternative zu herkömmlichem Zucker, wie die Verbraucherzentrale betont. Die gesundheitlichen Vorteile basieren vor allem auf den enthaltenen Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen, nicht auf dem Zuckergehalt.

Essig im Oxymel

Apfelessig wirkt antiseptisch, antibakteriell und antioxidativ. Er kann die Verdauung unterstützen, indem er die Produktion von Verdauungssäften anregt. Zudem wird ihm nachgesagt, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren und den Cholesterinspiegel positiv zu beeinflussen.

Der Essig hilft außerdem dabei, Wirkstoffe aus den zugesetzten Kräutern zu extrahieren und zu stabilisieren.

Die Kombination macht’s?

Traditionell wird angenommen, dass Honig und Essig eine synergistische Wirkung entfalten, also gemeinsam stärker wirken als einzeln. Diese Annahme stammt aus jahrhundertealter Erfahrung und wurde bereits in historischen Arzneibüchern beschrieben.

Wichtig: Es gibt bislang keine wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit von Essig und Honig in Kombination belegen. Die meisten Untersuchungen beschäftigen sich mit Honig oder Essig einzeln. Einige Studien zeigen positive Tendenzen, andere konnten die vermuteten Wirkungen nicht bestätigen.


Kritische Betrachtung: Was sagt die Wissenschaft?

Es ist wichtig, Oxymel realistisch einzuordnen:

  1. Fehlende Studien zur Kombination: Die positive Wirkung der Kombination von Honig und Essig ist wissenschaftlich nicht belegt.
  2. Unklare Kräuterextraktion: Bei Kräuter-Oxymel ist unklar, wie viele Wirkstoffe tatsächlich in den Sauerhonig übergehen.
  3. Zuckergehalt: Der hohe Zuckeranteil durch den Honig kann mögliche positive Effekte des Essigs (z. B. auf den Blutzucker) teilweise aufheben.

Dennoch: Negative Effekte sind nicht bekannt, solange Oxymel in Maßen konsumiert wird. Viele Menschen berichten von positiven Erfahrungen, auch wenn diese nicht wissenschaftlich belegt sind.


Oxymel selber machen: Das Grundrezept

Die Herstellung von Oxymel ist einfach und benötigt nur wenige Zutaten.

Zutaten für Oxymel simplex:

  • 200 ml naturbelassener Honig (Bio-Qualität, am besten regional)
  • 100 ml naturtrüber Apfelessig (ungefiltert, mit „Essigmutter“)

Zutaten für Oxymel compositum:

  • 300 g naturbelassener Honig
  • 100 ml naturtrüber Apfelessig
  • 50 g frische oder getrocknete Kräuter nach Wahl

Anleitung:

  1. Glas vorbereiten: Ein Schraubglas mit heißem Wasser oder Natronlösung gründlich reinigen und sterilisieren.
  2. Zutaten mischen: Honig und Essig im Glas verrühren, bis sich alles gut verbunden hat. Bei Oxymel compositum die Kräuter fein hacken und hinzufügen.
  3. Ziehen lassen: Das verschlossene Glas an einem dunklen, kühlen Ort 2 bis 4 Wochen ziehen lassen. Alle paar Tage durchschütteln.
  4. Abseihen: Die Kräuter durch ein feines Sieb oder Seihtuch filtern. Den fertigen Sauerhonig in saubere, dunkle Flaschen füllen.
  5. Lagern: Kühl und dunkel gelagert ist Oxymel etwa 6 bis 12 Monate haltbar.

Beliebte Oxymel Rezepte

Mit Ingwer und Kurkuma

  • 300 g Honig
  • 100 ml Apfelessig
  • 1 TL geriebener Ingwer
  • 1 TL geriebenes Kurkuma
  • Abrieb einer Bio-Zitrone

Thymian und Salbei

  • 300 g Honig
  • 100 ml Apfelessig
  • 3 EL getrockneter Thymian
  • 2 EL getrocknete Salbeiblätter

Löwenzahn und Kamille

  • 300 g Honig
  • 100 ml Apfelessig
  • 20 g frische Löwenzahnblätter
  • 10 g Kamillenblüten

Lavendel und Melisse

  • 300 g Honig
  • 100 ml Apfelessig
  • 15 g Lavendelblüten
  • 15 g Zitronenmelisse

Oxymel Anwendung: So verwendest du den Sauerhonig

Innerliche Anwendung

Zur täglichen Einnahme:

  • Erwachsene: 2–3 Esslöffel Oxymel in einem Glas Wasser (200–250 ml) verdünnen und ca. 15–30 Minuten vor dem Essen trinken.
  • Kinder: 1–2 Esslöffel in Wasser oder Fruchtsaft auflösen.

Als Kur:

  • 3 Wochen täglich einnehmen, dann 1 Woche Pause einlegen.

In der Küche:

  • Als Salatdressing
  • In Smoothies oder Säften
  • Als Erfrischungsgetränk mit Sprudelwasser
  • Zum Verfeinern von Saucen

Äußerliche Anwendung

Oxymel kann 1:1 mit Wasser verdünnt auch äußerlich angewendet werden, etwa bei Sonnenbrand oder Insektenstichen. Dazu ein Tuch tränken und auf die betroffene Stelle auflegen.


Worauf solltest du achten?

Qualität der Zutaten

  • Honig: Naturbelassen, kaltgeschleudert, nicht pasteurisiert, am besten vom regionalen Imker
  • Essig: Naturtrüb, ungefiltert, mit „Essigmutter“, Bio-Qualität
  • Kräuter: Aus eigener Wildsammlung oder aus kontrolliert biologischem Anbau

Vorsicht bei:

  • Säuglingen unter 12 Monaten: Honig kann Botulismus-Sporen enthalten und ist für Babys ungeeignet.
  • Zahnschmelz: Die Säure des Essigs kann den Zahnschmelz angreifen. Daher immer verdünnt trinken und idealerweise mit einem Strohhalm.
  • Magenempfindlichkeit: Bei empfindlichem Magen lieber mit kleinen Mengen beginnen.
  • Diabetes: Der hohe Zuckergehalt sollte berücksichtigt werden.

Oxymel kaufen oder selber machen?

Im Handel gibt es mittlerweile viele fertige Oxymel-Produkte mit verschiedenen Kräuterkombinationen. Der Vorteil: Du bekommst professionell abgestimmte Rezepturen und sparst Zeit.

Der Nachteil: Fertige Produkte sind deutlich teurer und du hast keine Kontrolle über die Qualität der Zutaten.


Fazit: Oxymel – Tradition trifft auf moderne Anwendung

Oxymel ist ein faszinierendes Beispiel für traditionelles Wissen, das heute wiederentdeckt wird. Der Sauerhonig verbindet die Kraft von Honig und Essig zu einem vielseitigen Getränk, das sich einfach herstellen lässt und alkoholfrei ist.

Obwohl wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Kombination fehlen, berichten viele von positiven Erfahrungen. Wichtig ist, Oxymel realistisch einzuordnen: Es ist kein Wundermittel und ersetzt keine medizinische Behandlung. Als ergänzendes Hausmittel und genussvolles Erfrischungsgetränk hat es aber durchaus seinen Platz. Gerade wenn du Wert auf natürliche, selbstgemachte Produkte legst.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Bei kühler und dunkler Lagerung ist Oxymel etwa 6 bis 12 Monate haltbar. Achte auf Geruch und Aussehen vor der Verwendung.

Ja, da Oxymel alkoholfrei ist, kann es auch Kindern gegeben werden. Allerdings solltest du bei Säuglingen unter 12 Monaten auf Honig verzichten.

Grundsätzlich kannst du fast alle Kräuter verwenden: Thymian, Salbei, Löwenzahn, Kamille, Lavendel, Rosmarin, Spitzwegerich, Brennnessel, Ingwer, Kurkuma und viele mehr. Achte darauf, nur Kräuter zu verwenden, die du eindeutig kennst.

Nein, durch den hohen Zucker- und Säuregehalt ist Oxymel auch bei Zimmertemperatur haltbar. Wichtig ist eine dunkle und kühle Lagerung.

Ja, du kannst auch Weinessig, Honigessig oder Reisessig verwenden. Apfelessig ist jedoch am beliebtesten und am besten untersucht.


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung.


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