Mariendistel für die Leber: Wirkung und Anwendung

Die Mariendistel ist schon seit der Antike in der Heilkunde bekannt und auch heute werden die Extrakte ihrer Früchte in Arzneimitteln eingesetzt. Dies liegt vor allem an ihrer zell- und leberschützenden Wirkung. Wie auch du von der Mariendistel profitieren kann, erfährst du hier.

1. Mariendistel: Herkunft und Bedeutung

Hinter dem Namen der Mariendistel verbirgt sich eine alte Geschichte: Der Legende nach soll die heilige Maria beim Stillen des Jesuskinds ein paar Tröpfchen Milch verloren haben, die auf Distelblätter fielen – der Name der Heilpflanze war geboren. Für die Mariendistel charakteristisch sind nämliche weiße Flecken auf den Blättern, die an ebendiese Tröpfchen erinnern. Bereits in der Antike wurde die Mariendistel als Medizin eingesetzt, doch erst im 19. Jahrhundert entdecke der Arzt Johann Gottfried Rademacher ihre positive Wirkung auf die Leber.

Die Mariendistel gehört zu den Korbblütlern und blüht von Juni bis September. Sie kommt vor allem in Südeuropa, Nordafrika und Westasien vor. Dort wächst die Pflanze bis zu anderthalb Meter hoch und kommt eher auf trockenen Böden, wie zum Beispiel an Wegrändern vor. Die Arznei selbst kommt aber aus den dunkelbraun-glänzenden Früchten der Pflanze: Sie enthalten Silymarin, einem Wirkstoffgemisch aus Silibinin, Isosilibinin, Silychristin und Silydianin [1]. Klingt erst mal wie Kauderwelsch? Wir erklären dir im Folgenden, was es mit den einzelnen Stoffen auf sich hat.

Mariendistel mit Samen

2. Wirkung: Was ist Silymarin?

Wie oben genannt, entfaltet die Mariendistel ihre Wirkung durch Silymarin. In Studien konnte herausgefunden werden, dass Silymarin hilft, die äußere Hülle – also die Zellmembran – der Leberzellen zu schützen. Dadurch können Giftstoffe, mit denen die Leber tagtäglich konfrontiert wird, nicht so einfach in sie hineindringen. Gleichzeitig hat man herausgefunden, dass Silymarin auch bei der Erholung unseres Entgiftungsorgans hilft [2].

Die Leber ist sowohl Entgiftungszentrum als auch Stoffwechselzentrum unseres Körpers. Tag ein und Tag aus muss sie alle Stoffe, die in unseren Körper gelangen, abbauen und für die Ausscheidung vorbereiten – bei einem entsprechenden Lebensstil hat sie dabei ganz schön viel zu tun. Durch Nahrung und Umwelteinflüsse dringen ständig Giftstoffe in unseren Körper, die unsere Leber selbstverständlich verarbeiten muss. So ist es auch nicht verwunderlich, dass bei dem Prozess auch Leberzellen absterben. Und hier kommt Silymarin ins Spiel: Es schützt nicht nur die Leberzellen vor der Gift-Wirkung, sondern regt zusätzlich die Regenerationsfähigkeit der Leber an. Das darin enthaltene Silibinin kommt daher gerne auch mal als Antidot bei einer Knollenblätterpilz-Vergiftung zum Einsatz [3].

Gleichzeitig schützt Silibinin die empfindlichen Leberzellen vor der zerstörerischen Wirkung von Giften. Studien weisen darauf hin, dass die Extrakte aus den Früchten der Mariendistel das Fortschreiten mancher Leberkrankheiten verlangsamen können.

3. Mariendistel: Anwendungsgebiete

Aufgrund ihrer leberschützenden und antioxidativen Wirkung werden Mariendistelpräparate und standardisierte Zubereitungen aus ihren Früchten gerne bei toxischen Leberschäden, beispielsweise bei Alkohol- oder Pilzvergiftungen eingesetzt. Sie werden aber auch zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen, wie beispielsweise Hepatitis und Leberzirrhose angewendet. Durch eine gestörte Gallenproduktion durch die Leber können auch Verdauungsbeschwerden auftreten. Hier kann dir ein Mariendisteltee Linderung verschaffen. Völlegefühl, Blähungen, Sodbrennen oder andere Verdauungsbeschwerden bessern sich dadurch.

Extrakte, die aus der Mariendistel gewonnen werden, können in verschiedenen Formen verwendet werden: Zur Herstellung von pflanzlichen Mariendistel-Präparaten wird in der Regel mithilfe von Alkohol ein Extrakt aus den Mariendistelfrüchten hergestellt und dann zu Kapseln, Tabletten oder Tropfen verarbeitet. Einen kleinen Teil der Wirkstoffe kann man schon herauslösen, indem man die Früchte mit heißem Wasser übergießt und es dann als Tee genießt. Für wirklich schwerwiegende Erkrankungen sind die Tees aber selbstverständlich nicht geeignet. Ein Mariendisteltee liefert zu wenig Silymarin und hat deshalb keine leberschützende Wirkung.

4. Wie viel Mariendistel sollte man einnehmen?

Die Qualität und auch das Vorkommen der Mariendistel-Extrakte kann sich von Präparat zu Präparat unterscheiden. Daher kann an dieser Stelle keine pauschale Angabe gemacht werden, wie viel man davon einnehmen sollte. Wie immer gilt: Vor der Einnahme solltest du am besten einen Arzt oder einen Apotheker fragen.

Tee-Zubereitungen gibt es hingegen in jeder Apotheke und in jeder Drogerie, wobei hier Bio-Qualität zu empfehlen ist. Möchtest du Mariendisteltee selber machen, dann werden je ein Teelöffel Fenchel- und Mariendistelfrüchte im Mörser zerdrückt und mit einem Achtelliter heißem Wasser übergossen. Lass den Aufguss zehn Minuten abgedeckt ziehen und seih die Pflanzenteile ab. Den Tee kannst du dann drei- bis viermal täglich jeweils nach dem Essen trinken.

Mariendistel kann auch als Tee getrunken werden

5. Nebenwirkungen bei der Einnahme von Mariendistel

Auch die Einnahme von Mariendistel kann Nebenwirkungen, wie allergische Reaktionen auslösen.

Menschen, die allergisch auf Artischocken, Kiwi, Ambrosia, Gänseblümchen, Ringelblumen und Chrysanthemen reagieren, reagieren wahrscheinlich auch auf die Mariendistel. Und auch diejenigen, die an Diabetes oder Endometriose leiden, sollten vor der Einnahme einen Arzt konsultieren [4].

Obwohl die Mariendistel traditionell bei schwangeren und stillenden Frauen verwendet wurde, ist nicht bekannt, wie diese Frauen auf Mariendistel-Präparate reagieren. Zur Sicherheit sollten diese Frauen lieber von der Einnahme dieser absehen. Dennoch scheint die Mariendistel vergleichsweise wenig Nebenwirkungen zu haben. Im schlimmsten Fall berichten Betroffene von Übelkeit, Durchfall, Juckreiz und Blähungen.

Auch wenn die Präparate aus Mariendistel-Extrakt rein pflanzlich sind, können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten entstehen: Vor allem bei der Einnahme von Arzneimitteln, die hohes Cholesterin, Infektionen, Schlaflosigkeit und Blutdruck behandeln wird von Mariendistel abgeraten.

6. Quellen

[1] Kim, M. S., Ong, M., & Qu, X. (2016). Optimal management for alcoholic liver disease: Conventional medications, natural therapy or combination?. World journal of gastroenterology22(1), 8–23. https://doi.org/10.3748/wjg.v22.i1.8

[2] Polachi, N., Bai, G., Li, T., Chu, Y., Wang, X., Li, S., Gu, N., Wu, J., Li, W., Zhang, Y., Zhou, S., Sun, H., & Liu, C. (2016). Modulatory effects of silibinin in various cell signaling pathways against liver disorders and cancer – A comprehensive review. European journal of medicinal chemistry123, 577–595. https://doi.org/10.1016/j.ejmech.2016.07.070

[3] Ward, J., Kapadia, K., Brush, E., & Salhanick, S. D. (2013). Amatoxin poisoning: case reports and review of current therapies. The Journal of emergency medicine44(1), 116–121. https://doi.org/10.1016/j.jemermed.2012.02.020

[4] Abenavoli, L., Capasso, R., Milic, N., & Capasso, F. (2010). Milk thistle in liver diseases: past, present, future. Phytotherapy research : PTR24(10), 1423–1432. https://doi.org/10.1002/ptr.3207

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